"Freikirchen in Österreich"

Staatlich anerkannte Kirche


Die "Freikirchen in Österreich" sind seit kurzem voll staatlich anerkannt und bilden sich aus einem Zusammenschluss von fünf Freikirchen mit insgesamt 160 Kirchengemeinden. Mitglieder des Zusammenschlusses sind der Bund der Baptistengemeinden, die Elaia Christengemeinden, die Mennonitische Freikirche, der Bund evangelikaler Gemeinden und die Freie Christengemeinde/Pfingstgemeinde, zu der die Salzburger Pfingstgemeinde zählt.

 

Was ist eine Freikirche? 

Anstatt wie Jahrhunderte lang üblich staatlich verordnete Kirchen für die Bevölkerung zu sein, kann jeder freiwillig ab der Religionsmündigkeit (14 Jahre) entscheiden beizutreten bzw. wieder auszutreten. Daher ist sie eine Freiwilligkeitskirche. Es geht auch um freie Gewissensentscheidungen (z.B. Freiheit zu Militär oder Zivildienst sowie im politischen Engagement, freiwillige Entscheidung zur Taufe, etc.). Statt fixe Kirchenbeiträge sind freiwillige Spenden möglich. Freikirchen sind auch Gemeinschaften, die im Kontrast einer erstarrten Christenheit in Europa und aus dem Bemühen um eine zeitgemäße Erneuerung urchristlichen Gemeindelebens entstanden sind. Demgemäß versuchen wir integer in einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus von ganzem Herzen zu leben.

  

 

Christliche Vielfalt

Während in den ersten 1500 Jahren die Entwicklung der Kirchen in Europa stark unter dem Einfluss der staatlichen Autorität stand, sind besonders seit der Reformation (A.D. 1517) neben den alten Kirchen auch viele von Staatskirchen unabhängige christliche Gemeinschaften entstanden. Die Entwicklung christlicher Pluralität setzt sich bis in unsere Tage fort. Weder Freikirchen noch Volkskirchen oder irgendwelche andere Gemeinschaften sollten den generellen Anspruch erheben, selbst die "einzige, wahre Kirche" zu sein. Gegenteilig ist die Gemeinde Jesu wahrhaftig dort existent, wo Christus selbst der Mittelpunkt und sein Wort die Basis für Glaube und Leben ist. Wie schon zur Zeit der Apostel gibt es nämlich von Anfang an unterschiedliche Typen von Gemeinden mit unterschiedlich ausgeprägten Charakteristiken (Z.B. Galatergemeinde im Vergleich zur Korinthergemeinde). Während der Wesenskern christlicher Gemeinden gleich ist - nämlich der Glaube an Jesus Christus - ist die äußere Erscheinungsform doch verschieden in Liturgie, Lehre, Amtsverständnis, Abendmahl und Bezeichnung. In den unterschiedlichsten Situationen und Kulturen wurden ihnen über die Jahrhunderte verschiedene Namen gegeben.

 

Theologie der "versöhnenden Pfingsterfahrung"

Eine Freikirche ist grundsätzlich eigenständig (konkregationalistisch), so dass sich von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Schwerpunktsetzungen herauskristallisieren.

Die theologische Schwerpunktsetzung der Pfingstgemeinde Salzburg ist die „versöhnende Pfingsterfahrung“: die Bitte an Jesus Christus, uns durch den Heiligen Geist in sein Wesen der Sanftmut und der Demut zu verwandeln, damit wir im versöhnten Miteinander jeden Menschen mit der Liebe Gottes, tiefen Respekt und Wertschätzung begegnen. Es geht darum, den anderen höher zu achten - egal welche Hautfarbe, welche soziale Schicht, welches Alter und welche ethische Herkunft.

 

 

Zur historischen Bedeutung der weltweiten Pfingstbewegung

Die klassische Pfingstbewegung breitet sich weltweit ungewöhnlich stark aus und geht auf eine Erweckung unter Afroamerikanern zurück (1906). Die World Christian Encyclopedia rechnet der pfingstlich-charismatischen Bewegung weltweit mittlerweile 523.767.390 Angehörige zu.

Die Pfingstbewegung engagierte sich gegen soziale Ausgrenzungen und ungerechte soziale Normen. So wurde die Pfingstbewegung auf der Weltmissionskonferenz des World Council of Churches (WCC) in Athen (2005) als eine Religion der Armen und Unterdrückten, für die Diskriminierung, Armut und Krankheit Teil des Lebens sind, erörtert: Die befreiende Wirkung der Pfingstbewegung von sozialen, ökonomischen und ethnischen Begrenzungen zu einem Miteinander hat breite Wirkung (Befreiung durch Integration).

Pfingstchristen betonen im Allgemeinen:

1. Die Notwendigkeit einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus als Retter und Herrn.

2. Das Rechnen mit der Kraft und den Gaben des Heiligen Geistes sowohl im Gottesdienst als auch im Alltag und der Glaube an eine besondere Erfahrung des Heiligen Geistes, die zu einem charakterreifen, nächstenliebenden und für Gott engagierten Dienst führt.

 

 

Zur Gründung der ersten Pfingstgemeinden in Österreich

Die ersten Pfingstgemeinden in Österreich entstanden als Freikirche ab 1919 in Wien im Zuge des sozial-diakonischen Dienstes der schwedischen Baronin Elisabeth Phil, als ein Team ehrenamtlicher Helfer aus der Pfingstgemeinde Stockholm an die hungernde Nachkriegsbevölkerung Lebensmittel und Kleidung verteilte.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Pfingstgemeinde verboten. In der Nachkriegszeit musste die Pfingstbewegung durch deutsche Flüchtlinge aus Jugoslawien in Zusammenarbeit mit den übrig gebliebenen österreichischen Pfingstlern neu gegründet werden. In Salzburg traf man sich in Flüchtlingsbaracken; erhielt aber auch Unterkunft in der Altkatholischen Kirche im Magistrat.

Offiziell entstand die erste Pfingstgemeinde im Land Salzburg 1928. Am 11. September 1955 fand die Einweihung des ersten Salzburger Gemeindehauses statt. Heute ist die Pfingstgemeinde Salzburg in der Vogelweiderstrasse 78 beheimatet. Der langjährige Gemeindeleiter Nikolaus Betschel (gest. 2011) erhielt das Pro Caritate-Abzeichen des Landes Salzburg für sein soziales Engagement als Pastor der Pfingstgemeinde. Er bezieht die Auszeichnung demütig nicht auf sich selbst, sondern „als Anerkennung dafür, dass wir zusammen dieses Werk zur Ehre Gottes vollbringen konnten“ (Betschel 1993:148).

 

 

Zum ökumenischen Verständnis

In Jesus Christus verbunden, können Christen unterschiedlicher Konfession eine Herzenseinheit bilden - im Sinne einer unzerstörbare Einheit (durch Christus) in einer unzerstörbaren Vielfalt. Im Dialog mit den christlichen Kirchen will die Pfingstgemeinde Salzburg daher zu einen „Klima des Respekts und gegenseitigen Verständnisses“ engagiert beitragen (siehe auch Reportage Rupertusblatt).

Die Pfingstgemeinde ist außerordentliches Mitglied des Ökumenischen Arbeitskreises Salzburg und es besteht eine Arbeitsgemeinschaft mit der  Altkath. Kirche, Ev. Kirche AB, der Ev.-Method. Kirche, Röm.-kath. und der Rum.-orthod. Kirche. Es besteht auch eine Partnerschaft zur "Evangelischen Allianz Österreich". International bestehen ökumenische Beziehungen offiziell seit 1962, als zahlreiche Pfingstkirchen dem World Council of Churches beitraten.

 

 

 

 




ORF-Dokumentation über die Pfingstgemeinde Salzburg


Reportage Rupertusblatt

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Reportage "Pfingstgemeinde Salzburg"
Rupertusblatt 2011
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Freikirchlicher Religionsunterricht (Maturafach)


Gottesdienst im Dom

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Gebet zur "Versöhnenden Pfingsterfahrung"
Gemeinsamer Eröffnungsgottesdienst der christlichen Kirchen im Dom (1.6.2012)
Gebet Pfingstgemeinde.pdf
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